Wiederansiedlung der Floreana-Spottdrossel
Bis ins 18. Jahrhundert wurde die Insel Floreana von Walfängern und Piraten als Jagdrevier und zum Auffüllen von Süsswasserreserven genutzt. Dann begann die Besiedlung, womit der Mensch das Erscheinungsbild der Insel nachhaltig verändert hat. Lebensraumzerstörung und das Einschleppen gebietsfremder Arten führten dazu, dass verschiedene einheimische Arten – darunter sieben Vogel-, zwei Reptilien- und eine Pflanzenart – auf der Insel ausgerottet wurden. Vier Pflanzenarten gelten heute als vom Aussterben bedroht und ein Grossteil der Vegetation wird durch Überweidung geschwächt und von invasiven Pflanzenarten bedrängt. Als der berühmteste Besucher des Archipels, Charles Darwin, vor 150 Jahren die Galápa-gos Inseln bereiste, waren es nicht die Darwinfinken, die ihn zu seiner Evolutionstheorie inspirierten, sondern die Galápagos-Spottdrosseln – genauer: die Spottdrosseln von Floreana und San Cristobal. Ihm fielen die zahlreichen Unterschiede zwischen den auf beiden Inseln gesammelten Exemplaren auf, woraus er schloss, dass eine Art sich verändern kann – und diese Erkenntnis führte letztendlich zu unserem heutigen Verständnis des Lebens auf der Erde. Heute gehört die Floreana-Spottdrossel (Nesomimus trifasciatus) zu den seltensten Vogelarten der Erde. In ihrer ursprünglichen Heimat Floreana vor 150 Jahren ausgestorben, leben heute noch zwei kleine Populationen auf den beiden Floreana vorgelagerten Inselchen Gardner und Champion.
Das Projekt
Zusammen mit den Galápagos Nationalparkbehörden hat die Charles Darwin Forschungsstation nun ein Projekt ausgearbeitet, mit dem Ziel, die Floreana-Spottdrossel auf ihrer ursprünglichen Heimatinsel Floreana wiederanzusiedeln. Mitbeteiligt ist neben dem Durell Wildlife Conservation Trust, der Universität Missouri in St. Louis und dem WildCare Institute vom St. Louis Zoo auch ein Team der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Lukas Keller. Die Projektkontrolle wird von Dr. Hendrik Hoeck, Präsident des Vereins Freunde der Galápagos Inseln Schweiz und ehemaliger Direktor der Charles Darwin Forschungsstation, sichergestellt.
Das Projekt, das sich über 3 Jahre erstreckt, gliedert sich in drei Phasen: 1. Planung und Aufbau der Logistik, 2. die Wiederansiedlung der Tiere und 3. Beobachtung und Auswertung. Dabei sollen natürlich auch die Faktoren, die für das Aussterben der Spottdrosseln auf Floreana verantwortlich waren, mit berücksichtigt werden. Ihre Lebensräume werden von eingeschleppten Säugern, z. B. Ratten, befreit. Parallel dazu erfolgt die Wiederaufforstung der ursprünglichen Pflanzendecke, die für das Nahrungsangebot und Brutgeschäft unerlässlich ist. Auch die auf Floreana ausgestorbenen Riesenschildkröten sollen wiederangesiedelt werden, spielen sie im Inselökosystem doch eine entscheidende Rolle als grösster und damit wichtigster Pflanzenfresser.
Als Auftakt der Wiederansiedlung werden Floreana-Spottdrosseln von den Inseln Gardner und Champion übernommen, die sich dank günstiger Umweltbedingungen zu Beginn des Jahres 2008 erfolgreich vermehrt haben und inzwischen den doppelten Bestand aufweisen. Da die beiden Inselchen keine doppelt so grossen Populationen zu tragen vermögen, ist die Gelegenheit günstig, „überzählige“ Tiere in Floreana wiederanzusiedeln.
Benötigte Mittel
1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr | |
Personal Feldarbeit und Reisekosten | 150'750 | 158'288 | 166'702 |
Material und Ausrüstung | 50’500 | 18'850 | 60'075 |
Arbeit der Zuchtstation in Santa Cruz | 26’000 | 10'500 | 11'025 |
Arbeit auf Floreana | 75’000 | 35'750 | 70'038 |
Arbeit auf Champion und Gardner | 41’000 | 43'050 | 62'128 |
Administration und Kommunikation | 140’046 | 108'706 | 150'742 |
Total | 483’296 | 375'144 | 520'210 |
Das Gesamtprojekt wird von verschiedenen Donatoren mitgetragen. Der Verein Freunde der Galápagos Inseln Schweiz hat mit einem Spendenaufruf an seine Mitglieder bereits CHF 25'000.- gesammelt.