Biologische Bekämpfung der eingeführten Wollschildlaus mit Marienkäfern

Die Wollschildlaus Icerya purchasi ist eine ernsthafte Bedrohung der einheimischen Pflanzenwelt der Galápagos Inseln. Die Wollschildlaus wurde 1982 auf den Inseln eingeführt und hat sich seither dank dem Fehlen natürlicher Fressfeinde grossräumig im Archipel verbreitet. Dabei hat sie bereits 31 endemische, d.h. nur auf Galápagos vorkommende Pflanzenarten befallen, davon gehören 16 zu den von der IUCN als gefährdete Arten klassierten Lebewesen. Daneben haben die Wollschildläuse auf einen negativen Einfluss auf die einheimischen Insekten, die sich von diesen Pflanzen ernähren. Speziell die von den weissen Mangroven gebildeten Mikroökosystem, die für eine Vielzahl von hochspezialisierten Lebewesen die Lebgensgrundlage bilden, sind durch die Frassschäden der Wollschildläuse stakr geschädigt worden. Diese Mangroven bilden auch den den Lebensraum des Mangrovenfinken, einer Art, die konkret vom Aussterben bedroht ist. Durch das Verschwinden der weissen Mangrven verlieren die verbliebenen etwa 100 Mangrovenfinkenbrutpaare ihre Nistplätze.

Die eingeführte Wollschildlaus ist durch Chemikalien kaum zu kontrollieren, jedoch hat in anderen Regionen die Einführung des natürlichen Fressfeindes, des Marienkäfers Rodolia cardinalis, grosse Erfolge gebracht. Da die Freisetzung eines gebietsfremden Organismus besonders in einem so fragilen Inselökosystem grosse Schäden bei der einheimischen Flora und Fauna verursachen kann, wurde zunächst abgeklärt, welche Auswirkungen die Freisetzung der Marienkäfer auf die Lebensgemeinschaften der Inseln hat. Die Resultate der Forscher der Internationalen Charles Darwin Forschungsstation zeigten, dass die Marienkäfer andere Wirbellose auf Galápagos nicht beeinflussen. Ebenso konnte gezeigt werden, dass die Marienkäfer die einheimischen insektenfressenden Wirbeltiere wie Darwinfinken und anderen Kleinvögel nicht schädigen, weil sie von diesen verschmäht. Dieser Projektteil wurde durch eine grosse Aufklärungskampagne begleitet, in der die lokale Bevölkerung über die erste absichtliche Einführung einer gebietsfremden Insektenart informiert wurde. Daneben wurden interessierte Farmer und Schulklassen in Workshops geschult, um an der Freisetzung und Überwachung des Projektes teilzunehmen.

Die Marienkäfer wurden von speziell ausgebildetem Personal der Forschungsstation und des Nationalparks gezüchtet und zunächst in Regionen mit hoher Priorität freigesetzt. Diese Regionen zeichnen sich durch eine grosse Dichte an gefährdeten Pflanzenarten, die durch die Wollschildlaus befallen sind, aus. Diese Freisetzungen werden von intensiven Freilandbeobachtungen begleitet, um den Erfolg des Projektes wissenschaftlich belegen zu können und die Auswirkungen der Freisetzung der Marienkäfer auf das fragile Ökosystem detailliert festzuhalten. Nach dem Abschluss des Gesamtprojektes soll eine detaillierte Erfolgskontrolle erstellt werden, ebenso eine Kosten-Nutzenanalyse zur Freisetzung des Marienkäfers. Die Resultate der biologischen Bekämpfung des eingeführten Schädlings I. purchasi durch den Marienkäfer R. cardinalis auf Galápagos werden lokal, national und international publiziert.

Ziel des vorliegenden Projektes ist die biologische Bekämpfung des eingeführten Schädlings zum Schutz der einheimischen Flora und Fauna. Da sich die Wollschildläuse bisher unkontrolliert ausbreiten konnten, stellt der Zeitfaktor eine entscheidende Komponente für den Erfolg des Projektes dar. Daher wurden im Jahr 2002 bisher 1365 Marienkäfer auf den Inseln Santa Cruz, San Cristobal, Isabela, Floreana, Fernandina udn Pinta freigelassen worden. Und die ersten Erfolge sind bereits sichtbar, die Zahl der Wollschildläuse hat bereits abgenommen...

Die Freunde der Galapagos Inseln (Schweiz) haben dieses Projekt im Jahr 2002 mit CHF 11'100 unterstützt.