Erschreckende Resultate ergeben sich aus einer im Herbst 2004 von den Freunden der Galápagos Inseln (Schweiz) mitfinanzierten Studie über den Beifang von Galápagos Albatrossen durch die industrielle Fischerei. Die demographischen Konsequenzen für den Bestand sind alarmierend:

Gemäss Recherchen hat sich die Lebenserwartung der Galápagos Albatrosse von 18,7 Jahren auf 6,4 Jahre (!!) verringert. Als Hauptursache gilt, dass unzählige der Tiere in der peruanischen Küstenregion beim industriellen Fischfang als "Beifang" verenden. Für Verluste durch Beifang wird die Art nun als hochsensibel eingestuft. Die Fischerei-Industrie fordert innerhalb des Galápagos Meeresreservates die Erlaubnis zum Einsatz von Langleinen sowie von Netzen im zweiten Jagdgrund. Würde dies gestattet, so wäre das Überleben der Galápagos Albatrosse langfristig in Frage gestellt.

Veränderte Situation für Albatrosse

Die Bedrohungen der Albatrospopulationen durch menschliche Aktivitäten steigen weltweit, fatal sind vor allem die Auswirkungen der industriellen Fischerei. Der Lebenszyklus der Albatrosse kombiniert eine lange Lebenserwartung mit einer geringen Reproduktionsrate. Das hat zur Folge, dass bei erhöhter Sterblichkeit alter Vögel die Bestände sich kaum wieder erholen können. Langzeitig betrachtet könnte das Gleichgewicht der Gesamtpopulation zerstört werden.

Bis vor kurzem galt der Galápagos Albatros (Phoebastria irrorata) als eine durch die Fischerei kaum tangierte Art. Auch langzeitige Beobachtungen der Vögel auf der Insel Española zeigten bis 2001 keine Bestandesrückgänge. Die vorliegenden Resultate nun haben Forscher und Naturschützer aufgeschreckt:

Wie lange noch kann sich der Galápagos Reisende am Anblick des majestätischen Albatros erfreuen? Die industrielle Fischerei könnte für den Bestand der stolzen Vögel das Ende bedeuten.

Resultate der Studie 2004

Zu Beginn der Brutsaison 1999 wurden bereits markierte Tiere in Punta Cevallos auf Española während der Balz und Brutzeit gesucht und gezählt. Dabei wurde ein dramatischer Rückgang in der Überlebensrate der Altvögel beider Geschlechter beobachtet.
Aus früheren Zählungen ist bekannt, dass zwischen 1960 und 2002 die jährliche Überlebensrate 0.95 betrug, sie sank aber während 2002-2003 auf 0.86.

Zwischen Mai und August 2004 wurden 2'550 adulte Vögel in Punta Cevallos markiert. Zwischen August und Oktober 2004 retournierten peruanische Fischer 17 dieser Markierungen, die Albatrosse waren als "Beifang" in ihren Netzen verendet. Einige der Fischer gaben zu, dass sie die Vögel als willkommene Bereicherung ihres persönlichen Speisezettels begrüssten. Und sie gaben zu, die den Albatrossen zum Verhängnis werdenden Haken absichtlich zwischen ihren Netzen anzubringen. Verschiedene der mit Resten von Leinen oder Haken im Gefieder aufgefundenen Vögel bestätigen diese erschreckenden Aussagen.

Bei langlebigen Organismen hat bereits eine geringe Reduktion der Überlebensrate überproportionale Folgen auf die Lebenserwartung. Im Falle des Galápagos Albatrosses würde sich die Lebenserwartung der Tiere um 65.8% von 18,7 Jahre auf 6,4 Jahre verringern. Anders gesagt: Die Hälfte der aktuellen Population erwachsener Tiere würde in den nächsten 4,8 Jahren eingehen. Da Albatrosse erst im Alter von 6 bis 7 Jahren geschlechtsreif werden, hätte der Rückgang der Lebenserwartung dramatische Folgen für die Fortpflanzung der Tiere.

Konsequenzen

Der stete Druck der Fischereilobby auf die Öffnung des Galápagos Meeresreservates würde die Albatrosse ernsthaft bedrohen. Während der Jungenaufzucht jagen die Eltern von Albatros-Küken ausschliesslich innerhalb des Meeresreservates. Eine Ausdehnung der schon heute aggressiven industriellen Fischerei würde sich auf die Bestände der Tiere verheerend auswirken.

Da der Bestand des Galápagos Albatros grundsätzlich aus einer einzigen Population mit Nistplätzen auf Española besteht, hat jede dort beobachtete Veränderung unmittelbare Konsequenzen auf den Gesamtbestand der Art. Ein Rückgang der jährlichen Überlebensrate erwachsener Tiere führt mittelfristig zur Ausrottung der Art. Um dieses Szenario zu verhindern sind weitere jährliche Beobachtungen essentiell. Unumgänglich sind flankierende Massnahmen, welche den jährlichen Fortpflanzungserfolg erhöhen.

Damit der Galápagos Albatros nicht ausstirbt, unterstützen die Freunde der Galápagos Inseln (Schweiz) die Studie zum Schutz des faszinierenden Vogels auch in Zukunft.