Krankheitserreger und Parasitenbedrohung für Vögel auf Inseln: Galápagos als Schaukasten
PRINCETON UNIVERSITY, 19-21 OCTOBER 2000
Professeur Philipp Heeb, Universität Lausanne
Es wird geschätzt, dass die Hälfte aller Lebewesen andere Organismen als Parasiten und Krankheitserreger benützen. Diese natürlichen Feinde verringern sowohl das Überleben als auch den Fortpflanzungserfolg ihrer Gäste. Das rechtzeitige Erkennen neuer Parasiten kann erlauben, dass die nötigen Schritte unternommen werden um ihre verderbliche Wirkung auf isolierte Gästepopulationen zu verringern. Wegen der Grösse ihrer Populationen sind die endemischen Vogelarten, die die ozeanischen Inseln bevölkern, besonders empfänglich für die Verseuchung durch neue Parasiten. Mit dem Ziel die aktuelle Situation zu bestimmen und eine Forschungs- und Aktionstrategie über die wahrscheinliche Wirkung der neuen Parasiten bei den Galápagos-Vögeln zu empfehlen, haben Howard Snell, Martin Wikelski et Hernan Vargas ein Seminar mit dem Thema "Krankheitserreger- und Parasitenbedrohung für Vögel auf Inseln: Galápagos als Schaukasten" (Universität Princeton, 19 et 20 Oktober 2000) organisiert. 24 Experten wurden eingeladen. Dank einer finanziellen Unterstützung des Vereins der Freunde der Galápagos Inseln (FOG) Schweiz konnte ich als Mitglied der Universität Lausanne, der auf dem Gebiet der Interaktion zwischen Vogel und Ektoparasiten gearbeitet hat, an dem Seminar teilnehmen.
Die Diskussionsgruppen haben die aktuelle Situation wie folgt zusammengefasst:
- Die immunologisch naiven Vögel leiden unter einer höheren Aussterberate wenn sie von neuen Parasiten befallen werden. Die Gründe für die Verminderung mehrer Vogelpopulationen der Galápagos sind nicht bekannt.
- Die wilden Populationen sind sehr schwer zu behandeln wenn ein neuer Parasit erscheint. Sie sind auch sehr schwer durch Impfungen zu schützen.
- Man muss versuchen sowohl die Anzahl neuer Parasiten zu reduzieren als auch die Parasiten auszurotten, die die Galápagos-Vögel befallen.
- Die Galápagos besitzen schon eine gesetzliche Infrastruktur um das Auftreten und die Verbreitung von Parasiten und Krankheitserregern zu verringern.
Um diese Situation zu beheben, haben die Teilnehmer des Seminars als erstes die Erstellung eines integrierten Forschungs- und Verwaltungsprogrammes vorgeschlagen, das als Hauptziel die Verringerung der Gefahr des Aussterbens der Galápagos-Vögel hat. Dieses Programm ist genau in einem Dokument von Snell, Wikelski & Vargas beschrieben. Die erste Etappe dieses Programmes sieht die Einrichtung eines Labors der Tierpathologie vor, das erlaubt die Todesursache der gefunden toten Vögel zu bestimmen. Das Labor wird erlauben ein fortlaufendes Programm des Aussterbens der Vögel und anderen Wirbeltiere der Galápagos aufzustellen. Während dieser Beobachtungen muss auch die Kontrolle der Malariavektoren der Vögel (moustiques) in Betracht gezogen werden. Eine rasche Antwort im Falle des Auftretens von neuen Krankheitserregern ist eine notwendige Bedingung um jeder neuen Verseuchung Einhalt zu bieten. Ein Kontingenzplan wird erlauben die verschiedenen zur Verfügung stehenden Interventionsmöglichkeiten im Falle der Feststellung eines neuen Parasiten einzuschätzen. Die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsgruppen wird gefördert um die Kosten für dieses fortlaufende Programm der neuen Verseuchungen zu verringern. Es ist vorgesehen, die vielen Daten, die durch dieses Programm entstehen, durch INTERNET zur Verfügung zu stellen. Das wird erlauben, dass Experten weltweit diese abfragen können.
Das Budget für einen Aktionsplan gegen die Krankheitserreger und Parasiten der Galápagos-Vögel wird auf USD 198'000 für die ersten drei Jahre ist und für die folgenden Jahre ungefähr auf USD 133'000 geschätzt.
Persönlich hat mir die Teilnahme am Seminar in Princeton erlaubt die Situation der Galápagos-Vögel gegenüber der Risiken, die durch das Auftreten neuer Parasiten hervorgerufen werden, besser zu verstehen. Ausserdem konnte ich Kontakte mit verschiedenen Personen, die auf den Galápagos arbeiten, knüpfen. Diese Kontakte sollten eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen der Universität Lausanne, des Vereins der Freunde der Galápagos (FOG) Schweiz und den Personen, die für den Schutz der Galapagos-Vögel arbeiten, erlauben.
Philipp Heeb, Universität Lausanne, Institut d'écologie, 1015 - Lausanne