Verbreitung und Populationsdynamik des Galápagos-Albatros
Eine wichtige Studie zur langfristigen Erhaltung dieser einmaligen Vogelart
Ein Projekt der Charles Darwin Forschungsstation auf Galápagos
Einleitung
Die Galápagos Inseln waren 1979 das erste Gebiet, dass von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit bestimmt wurde. Die Flora und Fauna der Inseln sind weltweit einzigartig; so sind rund 60% der Vogelarten und 90% der Reptilienarten nur auf den Inseln anzutreffen. Seit über 40 Jahren setzt sich die Charles Darwin Forschungsstation auf den Galápagos Inseln in Zusammenarbeit mit den Nationalparkbehörden für den Schutz und die Erhaltung dieses einmaligen Naturreservates ein. Getragen wird die Arbeit der Charles Darwin Forschungsstation von der Charles Darwin Stiftung, zu der auch der Verein Freunde der Galápagos Inseln Schweiz gehört.
Albatrosse sind beeindruckende Meeresvögel. Dank ihrer Spannweite von bis zu 3,5 m gehören fliegende Wander-Albatrosse zu den spektakulärsten Anblicken für jeden Ozeanreisenden. Der etwas kleinere Galápagos-Albatros (Phoebastria irrorata) ist der einzige Vertreter der Albatrosse am Aequator und nistet praktisch ausschliesslich auf der Insel Española im Galápagos Archipel. Sein Bestand beträgt etwa 12'000 Paare. Die Nistplätze der Galápagos-Albatrosse sind durch die Nationalparkbehörden geschützt, doch werden die Albatrossbestände durch den Tourismus einerseits und durch eingeführte Vogelkrankheiten andererseits beeinflusst.
Als weiterer, höchst besorgniserregender Faktor ist in jüngster Zeit auch die illegale Fischerei hinzugekommen, bei der die Albatrosse als Beifangtiere verenden.
Das Überleben einer Meeresvogelart wird hauptsächlich durch die Überlebensrate der Adultvögel beeinflusst. Eine Verminderung dieser Überlebensrate führt zu einem Rückgang des Fortpflanzungserfolges und damit zu einer Reduktion der Populationsgrösse. Bis heute sind für den Galápagos-Albatros nicht genügend Daten zur Überlebensrate der Altvögel vorhanden, daher kann die Stabilität der Gesamtpopulation nicht ermittelt werden. Obwohl neuere Studien aus den neunziger Jahren im Vergleich mit den Daten aus den sechziger Jahren keinen Rückgang der Gesamtpopulation aufzeigen, legen neueste Beobachtungen bei Punta Suárez (für Touristen zugänglich) die Vermutung nahe, dass die Albatrospopulation an diesem Standort in den letzten 30 Jahren abgenommen hat.
Daten über die Sterblichkeit der Galápagos-Albatrosse während ihrem Aufenthalt über dem Meer liegen bisher kaum vor. Von den anderen Albatrossarten ist bekannt, dass die Interaktion der Vögel mit der industriellen Fischerei einen grossen Einfluss auf die Überlebensrate der Tiere hat und damit weltweit ein starker Rückgang der Bestände ausgelöst wurde. Albatrosse verschlucken die an den Fischerleinen angebrachten Köder noch in der Luft und werden dann von der sinkenden Leine unter Wasser gezogen und ertrinken.
Die zur Zeit intensive Diskussion über die Zukunft der Fischerei in den fischreichen Gewässern um die Inseln sowie der starke Druck der Fischereikonzerne zur Öffnung des Meeresreservates für die 'Longline’-Fischerei lassen die Zukunftsperspektiven der Galápagos-Albatrosse ungewisser denn je erscheinen. Die bisherigen Studien zeigen, dass sie sowohl die südöstlichen Gewässer um die Inseln Española und San Cristobal als auch die Gewässer im Raume von Südecuador und Peru als Fischgründe nutzen. Eine genaue Bestimmung der von den Albatrossen aufgesuchten Fischgründe würde einen wirkungsvolleren Schutz dieser Gebiete ermöglichen.
Eine Ausweitung des Beobachtungsprogrammes von den Nistplätzen an Land zu den Fischgründen im südöstlichen Raum von Galápagos ist essentiell zur langfristigen Aufnahme der Bestandesentwicklung sowie zur Formulierung von effizienten Schutzmassnahmen.
- Die Bestimmung der Verbreitung und Populationsdynamik der Galápagos-Albatrosse
- Die Bestimmung der Fischgründe der Albatrosse in den Gewässern des Archipels sowie der Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Bestandesentwicklung
Die Resultate des Projektes werden Schlüsseldaten zum effizienten Schutz des Galápagos-Albatrosses in Galápagos liefern. Daneben sind sie wichtige Argumente für die Nationalparkbehörden und die Charles Darwin Forschungsstation in der Frage der Öffnung des Meeresreservates für die 'Longline’-Fischerei, die von der industriellen Fischerei mit Nachdruck von der ecuadorianischen Regierung gefordert wird.
Geplante Aktivitäten
Fang, Markierung und Wiederfang zur Bestimmung der Populationsgrösse und Populationsdynamik Seit 1960 wurden in unregelmässigen Abständen über 8000 Galápagos-Albatrosse markiert. Dabei wurden sowohl Adult- als auch Jungvögel während der Fortpflanzungsperiode bei Punta Suárez markiert. Im vorliegenden Projekt soll dieser Ansatz verfeinert werden. Die Tiere sollen auch gefangen und markiert, aber auch wiedergefangen werden. Dadurch könnten die altersspezifischen Überlebens- und Fortpflanzungsraten bestimmt und ungewöhnliche Abweichungen schnell entdeckt werden. Damit könnten im Falle eines Populationsrückganges rasch wirkungsvolle Massnahmen entwickelt werden. Zusätzlich soll neben Punta Suárez auch noch ein weiterer, für Touristen nicht zugänglicher Beobachtungsort als Kontrollpunkt aufgenommen werden. Beobachtung der Tiere in den Gewässern des Archipels In früheren Arbeiten wurde gezeigt, dass die Galápagos-Albatrosse zur Nahrungssuche grosse Distanzen zurücklegen und bis in die Gewässer vor Nord-Peru fliegen. Über die Nahrungssuche der Albatrosse in den Gewässern um die Galápagos Inseln ist kaum etwas bekannt, doch wird angenommen, dass sie sich auf die fischreichen Gewässer im Süden und Südosten des Archipels konzentrieren. Um die Verbreitung der Albatrosse in den Gewässern des Archipels zu bestimmen, wird eine 10-tägige Beobachtungsreise in die südlichen und südöstlichen Gewässer des Archipels erfolgen. Benötigte Mittel (in USD)
Personalkosten | 4'000.00 |
Transportkosten Meeresbeobachtung | 5'000.00 |
Transportkosten Española | 4'000.00 |
Materialkosten | 2'000.00 |
Administration | 3'000.00 |
Total | 18'000.00 |
Trägerschaft / Partnerorganisationen
Das Projekt wird von der Charles Darwin Forschungsstation durchgeführt und begleitet.
Die Projektkontrolle wird via Hr. Dr. Hendrik Hoeck, Präsident des Vereins Freunde der Galápagos Inseln Schweiz, ehemaliger Direktor der Charles Darwin Forschungsstation und gegenwärtig Mitglied des Stiftungsrates der Charles Darwin Stiftung sichergestellt.