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neu erkannte Art von Galapagos-Meerechsen kurz vor dem Aussterben?

Die Galápagos-Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus) sind weltweit die einzigen Echsen, die sich primär an den marinen Lebensraum gebunden und angepasst haben. Sie sind endemisch im Galápagos-Archipel, kommen dort auf allen grösseren und kleineren Inseln vor und zählen wie die Darwin-Finken und Galápagos-Riesenschildkröten zu den einzigartigen Ergebnissen der Evolution, die untrennbar mit dieser Inselgruppe verbunden sind.

Fortführung der Untersuchungen und unserer Unterstützung 2015

Nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Projektleitern Dr. Fritz Trillmich und Dr. Sebastian Steinfartz (siehe unten), sind der neue Projektleiter Dr. S. Steinfartz und unser Verein mitten in der Planung der anstehenden nächsten und dringenden Schritten.

Weitere Informationen folgen bald an dieser Stelle. Wenn Sie zwischenzeitlich mögen, lesen Sie die aktuelle und wichtige Publikation zu den bisherigen Erkenntnissen.

Infos und Projekt bis 2014

Aufgrund unserer früheren Studien aus den neunziger Jahren (Rassmann et al. 1997) ging man bisher davon aus, dass die Meerechsen aus einer Art mit zum Teil wenig differenzierten Inselpopulationen bestehen. Basierend auf einer neuen, sehr umfangreichen genetischen Studie von Dr. Sebastian Steinfartz in Zusammenarbeit mit der Yale-Universität (Steinfartz et al. 2009 in BMC Evolutionary Biology) steht jetzt allerdings fest, dass die Populationen der einzelnen Inseln sich doch genetisch deutlich voneinander unterscheiden. Besonders unerwartet war der Befund, dass auf der Insel San Cristobal, die mit rund 3-4 Millionen Jahren zu den geologisch ältesten Inseln des Archipels zählt, sogar zwei genetisch sehr stark differenzierte Populationen im Osten (Punta Pitt) und im Westen (Loberia) der Insel vorkommen. Die genetische Differenzierung auf der Basis kern-kodierter sowie mitochondrialer DNA-Marker ist so gross, dass der Schluss nahe liegt, dass es sich bei diesen zwei verschiedenen Populationen auf San Cristobal um verschiedene Arten handelt. Darüber hinaus scheint die Population von Punta Pitt auch die ursprünglichste Linie aller rezent vorkommenden Meerechsen überhaupt zu sein, was zu der Vorstellung passt, dass die Inseln von Ost (alte Inseln) nach West (jüngste Inseln) besiedelt wurden (Rassmann et al., 1997). Leider wissen wir nur sehr wenig über die Meerechsen auf San Christobal und im speziellen über die Population von Punta Pitt, da bisher die Meerechsen nicht im Fokus von möglichen Schutzmassnahmen des Galápagos-Nationalparks standen.

Während eines Aufenthaltes zum Studium der Seelöwen im März 2011, erfuhren wir (FT) bei einem Workshop über Monitoring der Seelöwen im Galapagos Nationalpark beiläufig, dass die Population der Meerechsen auf Punta Pitt vermutlich durch den Einfluss von wildernden Katzen fast ausgerottet sei. Dem Nationalpark ist anscheinend bis heute nicht ausreichend klar, welche herausragende Bedeutung diese Population für die Meerechsen und die Galápagos-Inseln allgemein hat.

Aufgrund der unmittelbaren, sehr akuten Gefährdung dieser wertvollen Population, die wahrscheinlich eine bisher nicht erkannte Art der Galápagos-Meerechse darstellt, sollte ein Aktionsplan die folgende Schritte beinhalten, um ein schnelles und effektives Management zur Erhaltung dieser besonders ursprünglichen Population zu ermöglichen:

  1. Grösse und lokale Verbreitung der Meerechsenpopulation von Punta Pitt abschätzen;
  2. Gewinnung erster Daten zur Demographie (gibt es Jungtiere oder nur noch alte Tiere? Geschlechterzusammensetzung?), um das Bestands- und Fortpflanzungspotential der verbliebenen Population zu schätzen;
  3. Abschätzung des unmittelbaren Gefährdungspotentials (vor allem durch verwilderte Katzen und Ratten) in Zusammenarbeit mit Prof. Wikelski über Satelliten-gestützte Halsbandsender an Katzen.

Um Punkt 1 klären zu können, wird es neben einer vorläufigen Bestandserhebung nötig sein, Blutproben individueller Meerechsen im Westen und Osten von San Cristobal zu nehmen, um dann anhand genetischer Unter­suchungen eine Zuordnung der Individuen zu den Populationsclustern zu ermöglichen. Diese Daten können weiterhin auch dazu verwendet werden, um das Vorkommen auf einen genetischen Flaschenhals (so genannter bottleneck) hin zu testen. Die genetische Analyse könnte Hinweise darauf geben, inwieweit die Population schon lange auf sehr geringer Grösse bestand und dadurch Inzuchteffekten ausgesetzt sein könnte. Erste Proben sind bereits in Zusammenarbeit mit der Charles Darwin Research Station (Dr. Volker Koch) genommen worden, die die Diagnose der Besonderheit dieser Population bestätigt haben.

Für die Klärung der Punkte 2 und 3 sollte möglichst umgehend eine Kurzzeitstudie in Pta. Pitt durchgeführt werden, um die Kondition und die Alterszusammensetzung der verbliebenen Tiere abzuschätzen, damit wir einen ersten, vorläufigen Eindruck über den Zustand der Population gewinnen. Dabei könnte auch ein erster Eindruck der Gefährdung durch Ratten über nächtlichen Fallenfang erhalten werden. Auf dieser Basis sollte umgehend ein Vorschlag zum gezielten Management der Population durch die Nationalparkbehörde erstellt werden. Während eines solchen Aufenthaltes könnte auch ein erster Eindruck davon gewonnen werden, wie weit verbreitet diese Meerechsenpopulation entlang der Küste um Pta. Pitt heute noch vorkommt, was für die Einschätzung des Gefährdungspotential sehr wichtig wäre.

Dieser Besuch in Pta. Pitt und die Erkundung der umliegenden Küste lässt sich nur mit Hilfe eines Schiffes effektiv durchführen.

Nach einer solchen ersten Situationsanalyse kann dann eine weitere Detailplanung in Absprache mit dem Nationalpark und in Zusammenarbeit mit der Charles Darwin Station zur Stabilisierung und dem Schutz vor Prädation durch Katzen erarbeitet werden. Hierzu wäre es am günstigsten, einen Mitarbeiter auf PostDoc Niveau für etwa ein Jahr zu beschäftigen, der in enger Kooperation mit allen Beteiligten Vorschläge zum dauerhaften Schutz der Population auf der Basis genauer Kenntnisse des Verhaltens der Katzen und ihrer Rolle als Prädatoren insbesondere frischgeschlüpfter und junger Meerechsen ausarbeitet.

Sebastian Steinfartz und Fritz Trillmich
Lehrstuhl für Verhaltensforschung, Universität Bielefeld
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld