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Foto Mangrovenfink

Rettung der Mangrovenfinken

Camarhynchus heliobates

 

Hintergrund
Der Mangrovenfink (Camarhynchus heliobates) ist einer der seltensten Vogelarten weltweit. Es gibt gerade mal noch ca. 100 Individuen in zwei kleinen Populationen auf der Galapagos Insel Isabela. Grund für den dramatischen Rückgang in den letzten Jahrzehnten sind eingeführte Ratten und eine parasitische Fliege, welche den Fortpflanzungserfolg der Finken um über 95% reduzieren.

Projekt

Francisca Cunninghame hat mit ihrem Team in Playa Tortuga Negra und Caleta Black die Zahl der dort lebenden Mangrovenfinken und deren Nestern erhoben. Dies geschah bevorzugt durch aufgespannte Netze, mit denen die Forscher die Tiere einfangen konnten. Dabei hat man bei allen Vögeln, die bisher noch nie gefangen wurden, erste Blutproben genommen und die Tiere beringt und vermessen.

Mangrovenfinken nisten oft in schwer zugänglichen Bereichen weshalb die Mitglieder des Teams oft Ihre Kletterkenntnisse unter Beweis stellen mussten. Ihr Ziel war es die Nester zwischen Ende Februar und Ende April drei Mal mit einem Insektizid zu behandeln, um die Anzahl der vorhandenen Philornis downsi Fliegenlarven im Nest zu reduzieren und so das Überleben der Küken zu sichern. Deswegen erfolgte die Behandlung zu Beginn der Brutsaison, nach dem Schlupf der Küken und kurz vor deren Flüggewerden.

Grundsätzlich signalisieren die in dieser Zeit üblichen Regenfälle den Mangrovenfinken mit der Brut zu beginnen. In 2019 gab es nur zu Beginn der Brutsaison starken Regen, danach blieb es trocken und es wurde über mehrere Tage starker Wind verzeichnet. Dies führte dazu, dass Nester zerstört wurden oder Eier bzw. Küken hinausfielen. Durch die Trockenheit fehlte den Vögeln der notwendige Impuls erneut mit dem Nisten zu beginnen. Das Team entschied sich trotzdem dazu, sicherheitshalber auch verlassene Nester mit dem Insektizid zu behandeln.

Bei gut erreichbaren Nestern wurden die Küken vorsichtig herausgenommen und auf Parasiten der Fliege Philornis downsi untersucht. Selbst bei den Tieren, die einen starken Parasitenbefall aufwiesen, erholten sich die Küken nach dem Entfernen der Schädlinge und der Gabe von zusätzlicher Aufbaunahrung soweit, dass sie flügge wurden. Jedoch ist bei diesen Jungvögeln die Entwicklung des Federkleides verzögert, was zu Problemen beim Ausfliegen führt.  Nach der Behandlung durch die Forscher wurden die Küken wieder in ihr Nest zurückgesetzt und so lange beobachtet, bis die Eltern die Brutpflege wieder aufnahmen.

Wie im Jahr 2018 brüteten nur ein Teil der Mangrovenfinkenpaare und es wurden diverse Männchen beobachtet, die keine Partnerin finden konnten. Dafür waren die Forscher sehr erfreut als sie das Nest eines von Hand aufgezogenen Weibchens mit drei Jungtieren fanden. Dies zeigt, dass das Mangrovenfinken-Aufzuchtprojekts von 2014-2017 erfolgreich war und die handaufgezogenen Finken nun selber Küken betreuen. Grundsätzlich geht man aber davon aus, dass es sinnvoller ist die Nester mit Insektiziden zu behandeln, da so die Küken mit ihren Eltern in Freiheit aufwachsen was ihre Überlebenschance in der freien Wildbahn wahrscheinlich steigert.

Mangrovenfinken bauen Ihre Nester bevorzugt in schwarzen Mangroven (Avicennia germans), denn hier finden die Finken ausreichend Nistmaterial und wichtige Nahrung. Leider konnte man seit einigen Jahren ein vermehrtes Absterben der schwarzen Mangroven feststellen. Inzwischen gibt es Hinweise, dass das Baumsterben durch Insektenbefall verursacht wird. Daher werden jetzt Proben in der Charles Darwin Forschungsstation analysiert, um auch hier einen geeigneten Schutz entwickeln zu können.