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Willkommensschild Floreana

Wiederherstellung der ursprünglichen Natur auf Floreana

Floreana Hügelland

Floreana Hügelland

 

Die Insel Floreana wurde 1535 von Bischof Tomás de Berlanga entdeckt und gehört zu den vier besiedelten Galapagos-Inseln. Ursprünglich gab es hier eine grosse Biodiversität, die aber durch eingeschleppte Ratten und verwilderte Haustiere wie Katzen oder Schweine massiv bedroht wird. Als Folge davon hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) 55 Tierarten, die auf Floreana zu finden sind, auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten gesetzt. Weitere 12 Spezies wie z. B. die Floreana Spottdrossel, die Floreana Riesenschildkröte oder die Floreana-Natter gelten als ausgestorben.

Das Floreana-Renaturierungsprojekt ist ein Langzeitprojekt mit dem Ziel, das Ökosystem dieser Insel wiederherzustellen und dort als ausgestorben geltende Arten auf die Insel zurück zu bringen. Ausserdem will man Floreana besser schützen, damit in Zukunft keine invasiven Arten mehr eingeführt werden oder sich ansiedeln können.

Auf Floreana leben nur 140 Einwohner. Sie ist deshalb für das ambitionierte Pilotprojekt der «Renaturierung einer bewohnten Insel» sehr gut geeignet ist. Die Bevölkerung wird mit einbezogen und hilft dabei, alle nicht auf Floreana heimischen Säugetiere von der Insel zu entfernen. Anschliessend sollen Tierarten, die auf Floreana ausgestorben sind, aber auf anderen Inseln überlebt haben, wieder angesiedelt werden.

Floreana Hochland

Floreana Hochland © Just-Janza                                                                         

Ein solches Projekt zu realisieren bedeutet sehr viel Recherche und Planung. Aus diesem Grund arbeitet der Galapagos Conservation Trust (GCT), mit Organisationen zusammen, die schon über Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügen. Neben der Galapagos-Nationalparkbehörde (DGNP) sind daher auch die Organisation «Island Conservation», der «Durrell Wildlife Conservation Trust» und die «Massey University in Neuseeland» engagiert. Inzwischen ist man sich bewusst, dass eine sorgfältig organisierte erste Projektphase besonders wichtig ist, um sicher zu stellen, dass die Gesamtkosten der Unternehmung so niedrig wie möglich bleiben.

Der erste Planungsschritt war, eine Risikobewertung für alle einheimischen Arten der Insel. Daher nennt man diese Zeit auch «Schadenbegrenzungsphase», denn es muss sichergestellt werden, dass in der zweiten Phase, wenn Giftköder ausgelegt werden, keine der heimischen Tierarten geschädigt oder die Lebensgrundlage der Inselbewohner gefährdet wird.

Dabei wurde für endemische Arten mit evolutiven Besonderheiten, wie Darwinfinken, ein detaillierter Aktionsplan mit z.B. die spezifischen Empfehlungen zum Artenschutz erstellt. So soll in der Zeit, in der Giftköder ausgelegt sind, von mehreren Finkenarten eine genetisch repräsentative Anzahl Tiere in speziell dafür angefertigten Volieren gehalten werden, um sicher zu stellen, dass die Populationen gesund bleiben.

Im Jahr 2019 hat Roland Digby als Leiter der Schadensbegrenzungsphase, gemeinsam mit Rangern des Nationalparks und interessierten Bewohnern von Floreana, einen entsprechenden Testlauf mit fünf Finkenarten (Kleiner und Mittlerer Grundfink, Kaktusfink, Kleiner und Mittlerer Baumfink) durchgeführt. Dazu wurden im Flach- und im Hochland von Floreana grosse Volieren errichtet, in denen die Finken gehalten werden können während die Giftköder ausliegen. Dafür ist ein Zeitraum ist von maximal 6 – 7 Monate vorgesehen. Die Vögel werden mit Nebelnetzen eingefangen und beringt. Nach einer 14-tägigen Quarantänezeit in kleinen Käfigen, in denen sie gegen Kokzidiose behandelt werden, werden sie in die grossen Volieren entlassen.

Auf diese Weise konnte festgestellt werden, wie viele Vögel bei guter Gesundheit in einer Voliere zusammengehalten werden können. Gleichzeitig wurden spezielle Ernährungsbedürfnisse und Futterpräferenzen eruiert. Anhand der so gewonnenen Erfahrungen wurde ein entsprechender Ablaufplan erstellt. 

Erst danach kann mit der «Eliminierung» begonnen werden. Invasive Ratten und verwilderte Katzen sind das Ziel von Giftködern, die über das gesamte Jahr 2020 verteilt, ausgelegt werden. Der Erfolg der Aktion ist vom Wetter abhängig, da ein feuchtes Jahr zu schlechteren Ergebnissen führen könnte.

Nach der «Eliminierungsphase» werden die Volieren-Vögel nicht nur in die Freiheit entlassen und weiterhin beobachtet, um sicher zu stellen, dass sie sich wieder gut in der Natur einleben.

Anschliessend kann mit der dritten Phase, der «Wiederansiedlung» von Tieren die, auf Floreana ausgestorbenen sind, wie z.B. die Floreana Spottdrossel, die Floreana Natter und der Floreana Riesenschildkröte begonnen werden.

Floerana Natter

Floreana Natter © Luis Ortiz-Catedral

Eine Wiederansiedlung ist möglich, da auf den benachbarten Inseln Champion und Gardner bei Floreana immer noch Galapagos Nattern und Floreana Spottdrosseln existieren. Die dort lebenden Spottdrosseln haben genetische Gemeinsamkeiten mit der ausgestorbenen Floreana Spottdrossel. Man geht davon aus, dass es früher einen regen Genaustausch der Vögel zwischen den Inseln gab und eine Wiederansiedlung der Floreana Spottdrossel diesen wiederherstellen wird.                                        

Auch bei der Floreana Riesenschildkröte, die seit zirka 1860 als ausgestorben galt, da die Tiere von Seeleuten in grossen Mengen als Fleischvorrat auf Schiffe verladen wurden, hatte man Glück im Unglück. Forschern ist es gelungen, auf der Insel Isabela am Vulkan Wolf Schildkröten zu finden, die teilweise Gene der Floreana Riesenschildkröte aufweisen. Man vermutet, dass von überladenen Schiffen einige der Riesenschildkröten auf anderen Inseln wieder ausgesetzt wurden. Dadurch war es möglich, mit 20 dieser speziellen Tiere im Schildkrötenzentrum von Santa Cruz ein Zuchtprogramm zu starten, aus dem bereits die ersten Jungtiere mit Floreana-Genen hervorgegangen sind. Diese Schildkröten werden dann nach Abschluss der Eliminierungsphase auf Floreana angesiedelt.

Bei allen Schutzmassnahmen spielen die Inselbevölkerung und die Nationalpark-Ranger eine wesentliche Rolle. Sie sind aktiv sowohl in den Bau als auch in die Verwaltung der Volieren eingebunden und helfen bei der Haltung und Überwachung der Finken. Auf diese Weise werden Fähigkeiten entwickelt und Kenntnisse erworben, die sowohl im Laufe des Projekts als auch bei anderen Bemühungen um die Erhaltung des Galapagos-Archipels künftig von grossem Nutzen sein werden.

Bitte helfen Sie uns, damit die auf Floreana ausgestorbenen Arten wieder auf ihre Heimatinsel zurückkehren können. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele, wie ihre Spenden genutzt werden können.

15 CHF   | Kosten für 10 Futternäpfe für Volieren-Vögel
40 CHF   | Transmitter zur Verfolgung eines Finken
55 CHF   | Medikamente für Vögel für einen Monat
240 CHF | Mottenfalle für das Sammeln des Lebendfutter für die Volieren-Vögel

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung dieses wichtigen und ambitionierten Naturschutzprojekts.