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    Webinar "Schutzprojekt für Haie"

    Da es bedingt durch die Corona Pandemie momentan nicht möglich ist auf die Galapagos Inseln zu reisen, hat sich das Team der Charles Darwin Foundation entschlossen, Freunden und Förderern dieses einmaligen Archipels, bestehende Schutz-Projekte in Form von Webinaren vorzustellen. Am 08. Juni 2020 startete das erste Webinar über das „Schutzprojekt für Haie“ welches von der ecuadorianischen Meeresbiologin Denisse Fierro Arcos präsentiert wurde.

    Hauptziel unseres Vereins und der Charles Darwin Foundation (CDF) ist es, durch wissenschaftliche Forschung und zusätzliche Initiativen, Wissen und Unterstützung bereitzustellen, um so die Natur und Artenvielfalt auf dem Galapagos Archipel zu sichern. Dies wird durch entsprechende Feldarbeit von Forschern ermöglicht, die so wichtige Informationen, Beobachtungen und Daten sammeln, die sie dann auswerten und veröffentlichen.

    Neben dem „Schutzprojekt für Haie“ verfolgt die CDF insgesamt 7 Projekte, die sich mit dem Schutz des Meeres und seiner Bewohner beschäftigen. Interessierte finden nachfolgend eine kurze Zusammenfassung des sehr interessanten Webinars. Direkt unterhalb finden Sie das komplette Webinar auf Youtube.

    Ungefähr 70% unserer Erde wird durch Ozeane bedeckt, die unser Leben auf vielfältige Art beeinflussen. Das Galapagos Meeresschutzgebiet (GMR) wurde 1998 gegründet und ist mit einer Fläche von 133‘000 km2 das grösste südamerikanisches Meeresschutzgebiet. Nur 8 % des GMR sind ausschliesslich dem Schutz und Erhalt von Meereslebewesen vorbehalten. Innerhalb des GMR sind die Tiere vor der industriellen Fischerei sicher, denn Fischereiflotten umfahren meistens diesen Bereich, was einen grossartigen Erfolg für das Meeresschutzgebiet bedeutet.

    Im GMR gibt es eine grosse Artenvielfalt mit vielen endemischen, also nur dort lebenden, Tieren. Neben 175 Fischarten von denen 17 endemisch sind, gibt es auch 47 wirbellose Lebewesen, wie Krebse, Schwämme, Würmer oder Schnecken, Muscheln und Tintenfische, von denen 2 endemische Arten vorkommen. 

    Diese Artenvielfalt hängt mit der Lage der Galapagos Inseln zusammen. Der gesamte Archipel liegt auf einem eher flachen und damit auf der Karte hell erscheinenden Plateau, während auf der westlichen Seite des Archipels das Meer tiefer ist und dunkelblau erscheint. Hier stürzt der kalte, nährstoffreiche Cromwell-Strom ab und lässt Nährstoffe aus der Tiefsee aufsteigen. Dadurch gibt es hier ein grosses Nahrungsangebot, also viele Fische. Auf der östlichen Seite treffen drei Meeresströmungen auf den Archipel. Der warme Panama-Strom, der mittel temperierte Südäquatorial-Strom und der kalte Humboldt-Strom. Ihr Zusammenspiel führt zum Nährstoffreichtum der Gewässer um die Galapagos Inseln.

    Screenshot von Webinar „Shark Ecology at the Galapagos

    Screenshot von Webinar „Shark Ecology at the Galapagos, Bild: CDF

    Haie sind Fische und es gibt sie schon seit 420 Millionen Jahren. Im Unterschied zu den meisten Fischen besteht ihr Skelett aus Knorpel, ihre Kiefer haben mehrere Zahnreihen und sie verfügen über mehrere Kiemenschlitze. Momentan sind mehr als 500 Haiarten bekannt, deren Aussehen sehr unterschiedlich ist. Man findet Haie mit Körperlängen von 15 cm (Zwerg-Laternenhai) bis 18 m (Walhai). Nicht alle Haie sind Fleischfresser. Manche ernähren sich von Plankton, wie der Riesenhai und manche Haie sind omnivor, sie fressen sowohl Fleisch als auch Seegras, wie der Schaufelnasen-Hammerhai. Durch ihre grosse Anpassungsfähigkeit findet man Hai in fast allen Meeresgebieten von den Polen bis in die Tropen und sowohl im Flachwasser als auch in der Tiefsee.

    Whale shark & hammerheads

    Whale shark & hammerheads @ Darwin Galapagos Pelayo Salinas

    Haie sind ökologisch sehr wichtig und werden daher als Schlüsselart bezeichnet. Obwohl ihre Zahl im Vergleich zu anderen Fischarten gering ist, haben sie einen grossen Einfluss auf die Artenvielfalt in ihrem Lebensraum. Die meisten Haie sind Raubfische und fressen andere Raubfische, wobei sie bevorzugt alte oder kranke Tiere erbeuten. Damit sorgen dafür, dass deren Populationen konstant und gesund bleiben. Werden die Haie zu stark dezimiert, vermehren sich kleinere Raubfische zu stark und ihr Nahrungsbedarf steigt. Das führt dazu, dass nun auch vermehrt Fische erbeutet werden die Pflanzen fressen, was zu einer starken Vermehrung von Algen führt, die dann ganze Korallenriffe überwuchern und ersticken.

    Für die Galapagos Inseln sind Haie auch ökonomisch von Bedeutung. Viele Besucher kommen hierher, um vor den Inseln Darwin und Wolf mit Haien zu tauchen und sie zu beobachten. Dadurch kann pro Hai im Jahr ein Umsatz bis zu 360‘000 $ erwirtschaftet werden. Vergleicht man dies mit den 158 $, die ein Fischer für eine Haifischflosse erhält, erkennt man unschwer wie wichtig die Haie für die Wirtschaft der Galapagos Inseln sind.

    Bei der Beantwortung dieser Frage werden anthropogene (vom Menschen herbeigeführte) Faktoren wie ...

    • Überfischung
    • Beifang
    • Abschneiden der Flossen (Finning)
    • Klimawandel
    • Verschmutzung der Meere
    • Verringerung oder Verlust ihres Lebensraums

    ... und biologische Faktoren wie

    • Langsames Wachstum der Haie
    • Sie werden spät Erwachsen was zu später Fortpflanzung führt
    • Wenige Nachkommen durch verminderte Fruchtbarkeit

    ... unterschieden. All diese Faktoren führen dazu, dass Haipopulationen zunehmend gefährdet sind.

    Das Ziel ist, zu verstehen wie sich die verschiedenen Haipopulationen im Galapagos Meeresschutzgebiet (GMR) verhalten und entwickeln. Gleichzeitig soll festgestellt werden ob bestehende Schutzmassnahmen für Haie im GMR wirksam genug sind. Ein weiteres Thema ist der Einfluss des Wetterphänomens El Niño auf die Haie. Die Forscher vergleichen Haipopulationen im GMR mit denen im Tropischen Ostpazifik (TEP), um ähnliche Verhaltensmuster oder Wanderrouten zwischen den Haipopulationen zu ermitteln. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Edukation und Öffentlichkeitsarbeit.

    Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:

    • DOVs (Driver operated Videos) - Mit ihrer Hilfe erstellen Taucher während des Tauchgangs Videos von Haien und werten sie nachher aus.
    • BRUVs (Baited remote underwater video) - Das sind Kameras an Gestellen, die mit Futter bestückt auf dem Meeresgrund platziert werden und so die Fische anlocken.
    • Akustische Sender - Sie werden an der Rückenflosse der Haie befestigt. Mit Ihrer Hilfe kann man feststellen ob sich der Hai in einem bestimmten Gebiet aufgehalten hat, indem man in diesem Gebiet akustische Empfänger installiert. Kommt nun ein Hai in dieses Gebiet, gibt sein Sender einen Ton von sich der dann aufgezeichnet wird.
    • Satelliten Tags - Sie funktionieren wie Mobiltelefone. Kommt ein Hai an die Oberfläche, werden die gesammelten Daten über Satelliten an die Forscher weitergegeben. Sie werden entweder während eines Tauchgangs mit Harpunen oder durch Einfangen der Haie angebracht.
    • Genetische Analysen – Durch sie können Alter, Geschlecht oder Verwandtschaftsverhältnisse der Haie ermittelt werden.

    Im gesamten Archipel wurden BRUVs verteilt. So wurde festgestellt, dass es 10 verschiedene Haiarten im GMR gibt. Von allen in den Videos beobachteten Fischen machen Haie nur 1% aus.

    Zu den im GMR am häufigsten vorkommenden Hai Arten zählen Hammerhai (S.lewini), Galapagos Hai (C.galapagensis), Tigerhai (G. cuvier), Seidenhai (C.falciformis), Weisspitzen- (T.obesus) und Schwarzspitzenhai (C.limbatus). Sie entsprechen ca. 85% aller im GMR beobachteten Haie.

    Die grösste Zahl an unterschiedlichen Haiarten findet man in der südlichen Mitte um Santa Cruz, während man bei den Inseln Darwin und Wolf die weltweit grösste Anzahl von Haien im Vergleich zu anderen Fischen antrifft. Man vermutet, dass die hohe Haidichte mit dem nährstoffreichen Wasser und den Schutzmassnahmen vor industrieller Fischerei zusammenhängt.

    Durch BRUVs konnten ausserdem Rochen und, erstmalig im GMR, auch ein Siebenkiemerhai beobachtet werden.

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    Bei der Auswertung der Daten von Satelliten- und akustischen Sendern an Tigerhaien konnte man feststellen, dass sich diese Haie mehr als 90% ihre Zeit im GMR aufhalten und selbst innerhalb des GMR ihre Reviere kaum verlassen. Dieses Verhalten unterscheidet sich von dem der Tigerhaie an anderen Orten der Welt. Die Forscher gehen davon aus, dass der Grund hierfür der Nahrungsreichtum, insbesondere die Vorkommen ihrer bevorzugten Beute der Grünen Meeresschildkröte, hierfür verantwortlich ist. Weiterführende Beobachtungen bestätigten, dass die meisten Tigerhaie rund um die Brutgebiete der Grünen Meeresschildkröten anzutreffen sind.

    Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Hai-Projekts. Der wissenschaftliche Club der „Hai-Botschafter“ wurde 2017 gegründet, damit einheimische Jugendliche mehr über Meereslebewesen, wie beispielsweise die Haie, lernen können. Das Ziel ist den negativen Ruf der Haie in der Öffentlichkeit zu ändern. Daher ist es wichtige die Bevölkerung über die Bedeutung der Tiere für das Meeresökosystem aufzuklären.

    Die Hai-Botschafter lernen wissenschaftliche Methoden kennen und helfen Informationskampagnen zu organisieren und in den lokalen Gemeinden durchzuführen. So erstellten sie beispielsweise ein Video, anlässlich des Welt-Ozean-Tags, in dem sie darauf hinweisen, dass im Mai 2020 in Honkong 26 t Haifischflossen durch die ecuadorianischen Behörden beschlagnahmt wurden. Laut der Behörden mussten dafür mehr als 38‘000 Tiere sterben!  

    A message from the Shark Ambassadors

    Covid19 macht es momentan unmöglich für die Forscher ihre Feldarbeit durchzuführen. Glücklicherweise kann die Analysearbeit fortgeführt werden, denn es ist noch genügend Datenmaterial vorhanden. Zusätzlich nutzen die Forscher die Zeit zum Schreiben von Artikeln, für wissenschaftliche Weiterbildungen und organisieren Informationskampagnen wie dieses Webinar.

    Momentan werden die Trackingdaten der Hammerhaie ausgewertet, um so einen Überblick über deren Wanderungen zu erhalten. Bevorzugt werden trächtige Tiere mit Satellitensendern versehen da bekannt ist das die Hammerhaie Küstengebiete mit Mangroven als Brutgebiete nutzen, aber nicht geklärt ist wie sich die Jungtiere bewegen. Durch die ermittelten Daten können auch die Tauchgewohnheiten der Hammerhaie festgestellt werden. Erstaunlicher Weise tauchen die Tiere sehr tief (800 – 1‘000 m). Genaue Gründe hierfür sind den Forschern noch nicht bekannt. Es gibt also noch viel über diese interessanten und für das Ökosystem der Meere sehr wichtigen Tiere zu entdecken!

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