Direkt zum Inhalt
Foto Walhai

Walhaie

Foto Walhai

Rhincodon typus

 

Hintergrund
Walhaie sind die grössten Fische in unseren Ozeanen und vom Aussterben bedroht. Trotzdem ist bisher sehr wenig über sie bekannt. Sie können über 13 m lang werden und erreichen ein Gewicht von bis zu 20 Tonnen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Plankton und anderen Kleinstlebewesen, die sie mit ihren riesigen Mäulern aus dem Wasser filtern. Aber auch kleine Fische wie Makrelen oder junge Tunfische oder Kalmare stehen auf dem Speiseplan.

Daher bevorzugen Sie warme Gewässer, wie z. B. die Gewässer vor Australien, den Philippinen oder Mexiko. Zu bestimmten Jahreszeiten kommen dort hunderte Tiere zusammen. Die meisten von ihnen sind Männchen und daher stellt sich die Frage, wo sich in dieser Zeit die weiblichen Tiere befinden. Auch ist nicht geklärt, wie die Wanderrouten der Fische verlaufen, wo sie jagen oder ihre Jungen gebären und aufziehen. 1995 wurde ein schwangeres Walhai-Weibchen tot vor der Küste Taiwans aufgefunden. In ihrem Körper fand man über 300 Embryonen in verschieden Entwicklungsstadien. Damit war klar, dass Walhaie lebendgebärend sind. Vor den Galápagos Inseln wurden regelmässig weibliche Tiere gesichtet, bei denen man wegen ihres angeschwollenen Bauches davon ausgeht, dass sie schwanger sind.

Projekt
Um die Wanderrouten der Walhaie verfolgen zu können, haben Meeresbiologen in den vergangenen Jahren immer wieder Tiere mit Peilsendern ausgestattet. Doch bisher sind das nur wenige Tiere. Zusätzlich wurde jedes Tier fotografiert. Dabei hat man erkannt, dass die Fleckenmuster auf der graublauen oder bräunlichen Haut der Tiere ganz individuell sind, vergleichbar dem menschlichen Fingerabdruck. Auf diese Weise ist eine Identifizierung einzelner Walhaie möglich. Inzwischen gibt es eine Datei mit Fotos von über 8‘000 Tieren. Nun wollen Meeresbiologen den weiblichen Walhaien vor Galapagos, Blutproben entnehmen und Ultraschallbilder anfertigen, um so festzustellen, ob sie tatsächlich tragend sind. Hierbei ist es nötig, dass sehr leistungsstarke Schall-Geräte und stabile Nadeln zur Blutentnahme zum Einsatz kommen da die Bauchwand der Tiere über 25 cm dick ist. Darüber hinaus werden die Haie mit verschiedenen Sendern ausgestattet, um mehr über Ihre Lebensgewohnheiten und Wanderrouten zu erfahren.

Erste Erfolge beim Walhai-Projekt
Die Expedition 2018 des Galapagos Walhai-Projekts war ein grosser Erfolg für das Forschungsteam der Marine Megafauna Foundation (MMF), da sie bei der Insel Darwin mehr Informationen über Walhaiweibchen sammeln konnten. Insgesamt sah das Team um Dr. Chris Rohner und Dr. Simon Pierce 36 verschiedene Walhaie, von denen die meisten grosse Weibchen mit 10 – 12 m Länge waren.

Walhaie haben individuelle Musterungen, die dem menschlichen Fingerabdruck entsprechen. Deswegen werden alle Tiere fotografiert und die Bilder auf der globalen Datenbank www.whaleshark.org hochgeladen. So können die gesichteten Walhaie mit anderen Bildern verglichen und identifiziert werden. Das gibt auch Aufschluss darüber, ob dieselben Tiere nach einer gewissen Zeit zur Insel Darwin zurückkehren oder nicht.

Das Team hatte zusätzlich zwei verschiedene Satellitensender mitgenommen. Ein Sendertyp sendet die Signale zu den Satelliten, sobald die Walhaie an der Meeresoberfläche schwimmen. Wenn die Befestigungsklammern halten, könnte so die Wanderung der Walhaie über die nächsten 1 – 3 Jahre verfolgt werden. Ein anderer Sendertyp misst die Tiefe und die Wassertemperatur. Er löst sich automaisch nach ca. 6 Monaten, steigt dann zur Meeresoberfläche und sendet von dort seine Daten an die Satelliten. Das Team erwartet hier die ersten Daten im März 2019.

Da man wissen wollte, ob die grossen Weibchen schwanger sind, war eine Blutentnahme und ein Ultraschall geplant. Bisher war es nicht gelungen frei lebenden Tieren Blut zu entnehmen, da die Haut der Tiere bis zu 27 cm dick ist und geeignete Instrumente fehlten. Ausserdem schwimmen Walhaie viel schneller als die Taucher, was man durch einen Tauchscooter ausgleichen konnte. Auf diese Art war es möglich bei 21 Tieren ein Ultraschall zu machen. Dem Team gelang es eine günstige Stelle mit dünnerer Haut bei den Tieren zu finden und so konnte bei 6 Walhaien eine Blutentnahme erfolgen. Ausserdem war es möglich bei einigen Tieren eine Gewebeprobe zu entnehmen. Hiervon erhoffen sich die Forscher die Verwandtschaftsverhältnisse der Walhaie zu ergründen. Die Auswertung der Proben und Satellitendaten wird gespannt erwartet.

Die Arbeit der MMF auf Galapagos bietet die grossartige Möglichkeit, mehr über die Lebensweise der Walhaie und über die trächtigen Weibchen zu erfahren. Insgesamt konnten bis zum heutigen Tag vor den Galapagos Inseln 148 Walhaie individuell identifiziert werden. Allerdings wurden nur wenige dieser Haie in den letzten Jahren wiederholt beobachtet. Für 2018 ist ein wichtiges Ziel, mehr Sichtungsdaten zu sammeln. Diese werden den Forschern dabei helfen, den Reproduktionszyklus weiblicher Walhaie zu beurteilen. So wiederum kann abgeschätzt werden, wieviel Zeit die Tiere benötigen, um sich von ihrem gegenwärtigen Schutzstatus zu erholen. Ende Oktober 2017 wurde der Walhai an der 12. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (Convention on Migratory Species; CMS) als vom Aussterben beurteilt und in die höchste Kategorie des Abkommens aufgenommen.

Obwohl die nördlichen Galapagos Inseln Darwin und Wolf gesetzlich vollständig vor Fischfang geschützt sind, handelt es sich um ein riesiges, abgelegenes Gebiet, welches es zu kontrollieren gilt. Die Bootsbesatzung der Forschungsexpedition sah in zwei Nächten grosse Schiffe nur wenige Kilometer von Darwin entfernt – wahrscheinlich illegale Fischereischiffe. Unter Berücksichtigung des jüngsten Funds tausender toter Haie auf einem illegalen chinesischen Schiff unterstreichen solche Sichtungen des Forscherteams, dass die Gefahr für die Haie in Galapagos noch lange nicht vorbei ist.